Richard Koechli - Interview

1 – Seit wann machst du Musik?

Ganz schön lange her. Ich war damals 12 Jahre, als ich die Gitarre für mich entdeckte. Mittlerweile sind 3 Dutzend Jahre in die Länder gezogen ... :-)

2 – War es schon immer dein Wunsch Musiker zu werden?

Dass die sechs Saiten mein Leben nachhaltigen prägen und beeinflussen würden, das spürte ich schon früh. Melodien und Klänge waren meine Sprache, meine „Schlupfwinkel“ und irgendwie auch meine Identität. Dass daraus später eine berufliche Existenz werden könnte, daran zu glauben musste ich mich erst herantasten. Mit 28 Jahren verließ ich – mit einer Mischung aus Mut, Waghalsigkeit und Naivität – das „normale“ Boot und versuchte mich als freiberuflicher Musiker. Bis heute habe ich überlebt :-)

3 – Was inspiriert dich beim Schreiben deiner Songs?

Es sind zwei Dinge: Erstens bin ich ein „Melodien-Mensch“. Ich werde geradezu „verfolgt“ von Melodien, die dauernd in mir herumschwirren. Sie sind für mich das Herz eines Songs, von der Musik generell. Man kann sehr gut auch ohne Texte Musik machen, ich habe mich denn auch 30 Jahre fast ausschließlich als Instrumentalist und Komponist von wortloser Musik beschäftigt. Seit einigen Jahren allerdings habe ich den zusätzlichen Kick entdeckt, nun die 3 Elemente Gesang/Text/Musik zu vereinen. Das brauchte seine Zeit, nun fühle ich mich reif. Beim Texten gehe ich ähnlich vor wie beim Schreiben eines Gedichtes (ja, die gibt’s noch, erinnert ihr euch ...?). Dinge, die mich bewegen, die ich hinterfrage oder einfach nur beobachte, versuche ich in eine quasi-literarische Form, in einen Rhythmus zu verpacken. Braucht viel Zeit bei mir, zumal ich – weil's zum Singen viel schöner ist! – mich in zwei Fremdsprachen ausdrücke: Französisch und Englisch.

4 – Erzähl uns etwas zu „laid-back“!

„laid-back“ kann ich dir am besten beschreiben, wenn ich den kanadischen Schriftsteller und Musik-Kritiker Luc Baranger zitiere ...

Luc gilt als einer der renommiertesten „laid-back“-Experten und hat u. a. über den laid-back-Master J. J. Cale (mit welchem er seit über 30 Jahren eng befreundet ist) das Buch "Visas Antérieurs" geschrieben. In der Kolumne des Magazins „artblues – Dernières nouvelles du Blues“ schreibt Baranger in seiner bekannt provokativen Art über Cale und seine „musikalische Erbgemeinschaft": ... über Knopfler (dem er vorwirft, den Einfluss Cales standhaft zu leugnen), über Clapton (dem größten aller Cale-Verehrer und Karrieren-Helfer), über Spencer Bohren, Ray Bonneville, über den Franzosen Francis Cabrel und schließlich - die Überraschung! - über Hank Shizzoe und Richard Koechli:
„... Wie bloß könnte man Shizzoe und Koechli hier unerwähnt lassen!? Vielleicht sind es gerade diese beiden Schweizer, welche am respektvollsten mit dem Erbe J. J. Cales umgehen. Die Schweiz mit ihrer Lebensart scheint für den „laid-back“-Spirit offenbar wie gemacht zu sein. Shizzoe tönt rootsiger als Cale und Knopfler zusammen, und für Koechli scheint der laid-back-Style eine Philosophie schlechthin zu sein. Genau wie Cale schöpft Koechli aus einem großen Topf nordamerikanischer, aber auch keltischer und französischer Traditionen, die er förmlich in sich aufsaugt. Mit einem Auge blickt er nach vorne, und trotzdem spürt man bei Koechli den Respekt vor der Vergangenheit und eine große Liebe zum Instrument und zur Perfektion. Das ist genau das Wesen der „laid-back“-Musik: eine Art „Pseudo-Entspanntheit“, eine Maske der „Faulheit“, welche höchste Konzentration und Jahrzehnte harter Arbeit kaschiert."

5 – Wie war die Tour, ist etwas Witziges oder Schönes passiert?

Die Tour ist noch in vollem Gange, 2009 werde ich noch ein zweites Jahr mit demselben Programm auf der Bühne stehen, bevor dann eine neue Scheibe kommt. Im Moment spielen wir vor allem in Schweizer Clubs. Es ist schwierig, ohne professionelle Booking-Agentur Tourneen ins Ausland zu organisieren, ohne dabei draufzuzahlen ... Live-Konzerte sind mir sehr wichtig, es ist gewissermaßen der „musikalische Ernstfall“, man spürt den Kontakt mit und die Erwartung vom Publikum und kriegt dabei nur eine Chance! Doch es ist nicht bloß Spaß für mich, sondern eine harte Arbeit, denn ich gehe voll an meine Grenzen und spiele jede Note so, als wäre es die letzte meines Lebens. Das ist genau der Widerspruch: Damit die Musik laid-back rüberkommt, braucht es 150% Konzentration. Ansonsten bin ich wohl eher ein langweiliger Typ und ich muss Dich enttäuschen, wenn du von mir irgendwelche „Sex, Drugs and Rock'n'Roll-Geschichten erwartest ... :-) Keine „Groupies“ (bin glücklich verliebt seit 16 Jahren) und kein Tropfen Alkohol (sonst vergesse ich meine Texte ...).

6 – Welcher, war der schönste Moment deiner Laufbahn?

Da gibt’s eine Menge. Doch ich glaube, das intensivste und unglaublichste Glücksgefühl habe ich damals mit 14 erlebt, als mir meine Eltern eine E-Gitarre unter den Weihnachtsbaum legten. Das will alles sagen.

7 – Was wünschst du dir für die Zukunft?

Natürlich erst mal Gesundheit, Liebe und Perspektiven für uns alle, auf dass jede und jeder von uns seine Talente entdeckt, sie weiterentwickelt und dabei Erfüllung findet. Tönt wieder langweilig, ich weiß ... :-) Natürlich hat auch mein Ego versteckte Pläne: Es gilt zumindest, als Independent-Musiker zu überleben. Ich hoffe, dass die Leute weiterhin Musik kaufen und Konzerte besuchen, und dass dabei nicht bloß die großen Stars Kasse machen. Und dass weiterhin solche tollen Indie-Labels wie der AMA-Verlag sich dafür stark machen. Ich weiß, dass es da draußen für meine Musik irgendwo ein sehr sympathisches und sogar recht zahlreiches Publikum gibt. Diese Menschen gilt's zu erreichen. Dann kommt der Erfolg. Und dann bin ich sogar gewillt, gewisse Boni in Empfang zu nehmen ...; im Gegensatz zu andern, werde ich sie allerdings freiwillig beschränken :-) Ich erkläre hiermit öffentlich: Sollte ich dabei mehr als eine Million Euro verdienen, geht alles an ein Hilfswerk für notleidende Banken-Manager …